Die 10 größten Abfuhren bei den Oscarnominierungen 2015

Photo by David Fisher/REX

Kürzlich fanden die 87. Annual Academy Awards statt. Deshalb ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um einen Blick darauf zu werfen, welche großartigen Filme bei den Nominierungen eiskalt ignoriert wurden. Für die Filmindustrie war 2014 ein sehr erfolgreiches Jahr. Durch die vielen hochkarätigen Filme erschien es noch unangemessener, die Nominierungen so strikt zu begrenzen. Zum Glück wurden jedoch größtenteils die Filme nominiert, die es wirklich verdient hatten. Dazu zählen Boyhood, Whiplash und The Grand Budapest Hotel. Leider gab es auch einige Fehlentscheidungen für glanzlosere Filme wie American Sniper, The Imitation Game und Die Entdeckung der Unendlichkeit, während man weitaus bessere Filme ignorierte. Die folgenden 10 Produktionen wurden bei den Nominierungen völlig übergangen und stellen für uns die größten Abfuhren der Akademie dar.

10. Life Itself – Bester Dokumentarfilm

Die Auszeichnung für den besten Dokumentarfilm wird bei den Oscars generell unterbewertet, dennoch werden dort einige der bedeutendsten und am besten umgesetzten Dokumentarfilme geehrt. Der Film ‘Life Itself’ hat eigentlich alles, was man für einen Oscar braucht. Thema ist Roger Ebert, der wichtigste Filmkritiker und eine der bedeutendsten Stimmen der amerikanischen Kultur. Ein Film, der über einen der wichtigsten Menschen der Filmbranche gedreht wurde, wird von der Akademie meist mit Lob überschüttet. Aus diesem Grund ist es besonders verwunderlich, dass dieses Werk nicht nominiert wurde. Außerdem war Life Itself einer der beliebtesten Dokumentarfilme des Jahres, der äußerst gute Kritiken erntete und dadurch noch mehr Fragezeichen aufwirft, warum die Akademie dem nicht mehr Aufmerksamkeit schenkte.

9. Foxcatcher – Bester Film

Seit die maximale Anzahl der Nominierten in der Kategorie “Bester Film” im Jahr 2009 von 5 auf 10 erhöht wurde, gab es viel mehr Übereinstimmungen zwischen den nominierten Filmen und der Kategorie “Beste Regie”. Da der beste Regisseur des Jahres meist auch den besten Film dreht, macht die Übereinstimmung zwischen diesen beiden Kategorien durchaus Sinn, selbst wenn es bei der letzteren immer noch nur 5 Nominierungen gibt. Aus diesen Gründen ist es besonders verwunderlich, wenn ein Regisseur nominiert wird, sein Film jedoch nicht. Dies war das Paradoxe bei Foxcatcher. Der Film hat zahlreiche Auszeichnungen mit Steve Carrell als bestem Schauspieler, Mark Ruffalo als bestem Nebendarsteller und natürlich Bennet Miller als bestem Regisseur erhalten. Bei so vielen Nominierungen verwundert es, dass man den Film in der bedeutendsten Kategorie außen vor gelassen hat. Noch verwunderlicher wird das Ganze, wenn man bedenkt, dass bei acht nominierten Filmen noch zwei Plätze frei gewesen wären.

8. Snowpiercer – Szenenbild

In einer perfekten Welt wäre Snowpiercer für eine Nominierung in der Kategorie “Bester Film” ernsthaft in Betracht gezogen worden. Der Film ist ein Meisterwerk der modernen Science-Fiction. Es ist meist immer so, dass die angehenden Kultfilme von der Akademie nicht großartig beachtet werden, aber in der Kategorie ‘Szenenbild’ hätte der Film allemal aufgeführt werden müssen. Er spielt in einem lebenserhaltenden Zug mitten in einer post-apokalytpischen Eiszeit. Das für das Szenenbild zuständige Team hat unter der Leitung von Ondrej Nekvasil das geschlossene Ökosystem des Zuges mit einer unglaublichen Detailtreue zum Leben erweckt. Das Szenenbild spielt eine unglaublich bedeutende Rolle in dieser Produktion. Jedes neu entdeckte Zugabteil im Films gibt uns einen tieferen Einblick wie ein weltreisender Zug aussehen könnte, in dem die letzten Überlebenden der Menschheit unterwegs sind.

7. Gone Girl – Bester Film

Der letzte Film des bekannten Thrillermeisters David Fincher ist ein absolutes Meisterwerk. Die Novelle wurde stilvoll und greifbar auf die Leinwand gebracht. Die Novelle ‘Gone Girl’ von Gillian Flynn (und das daraus entstandene, großartige Drehbuch von Flynn selbst, welches bei den Nominierungen einfach übergangen wurde) ist smart, aufreibend und überraschenderweise erfrischend. Ben Affleck und Rosamund Pike spielen ein junges, verheiratetes Paar, das viele Geheimnisse mit sich trägt. Diese geraten in den Fokus der Öffentlichkeit, als der Charakter von Pike plötzlich verschwindet und ihr Ehemann zum Hauptverdächtigen wird. Wieso dieser Film mit großartiger Besetzung und einer beeindruckenden Regieführung nicht in der Kategorie ‘Bester Film’ nominiert wurde, ist und bleibt ein Mysterium. In der Awardzeit sind die Filme von Fincher meist sehr beliebt und Gone Girl ist bis heute eines seiner besten Werke.

6. The Lego Movie – Bester Animationsfilm

Es ist definitiv nicht alles großartig, wenn wir uns die diesjährigen Nominierungen der Kategorie ‘Bester Animationsfilm’ ansehen, und dies in einer der Kategorien, die meist wenig umstritten ist. Was viele in diesem Jahr überraschte war, dass der ‘The Lego Movie’ als einer der besten und lustigsten animierten Filme des Jahres, nicht unter den Nominierten zu finden war. Kritiker und Experten waren der Meinung, dass die eher älteren Mitglieder der Akademie keinen Bezug zur heutigen Unterhaltungsbranche mehr haben und den Film daher als große Werbeaktion für Kinderspielzeug abstempelten. Wer sich den Film tatsächlich angesehen hat, wurde schnell davon überzeugt, dass man ihm mit einem so allgemeinen Urteil nicht gerecht wird. Der ‘The Lego Movie’ ist alles andere als ein einziger Versuch noch mehr Legos zu verkaufen (auch wenn er sich wahrscheinlich deutlich auf deren Verkaufszahlen ausgewirkt hat).

5. Tilda Swinton – Beste Nebendarstellerin (in mehreren Rollen)

Es gibt kaum einen Schauspieler oder eine Schauspielerin, für die das Jahr erfolgreicher verlief als für Tilda Swinton. Die gefeierte britische Schauspielerin hat ganze drei großartige Darbietungen geleistet, die eine Nominierung in der Kategorie ‘Beste Nebendarstellerin’ wert gewesen wären – und dennoch, hat sie es aus unerklärlichen Gründen nicht unter die Nominierten geschafft. Welche Rolle sie auch anging, sei es die alte europäische Aristrokratin in ‘The Grand Budapest Hotel’, die monströse Mason mit den gruseligen Zähnen in Snowpiercer oder der Vampir mit Sonnenbrille in ‘Only Lovers Left Alife’, Swinton meisterte sie alle mit Bravour. Sie für diese großartigen Leistungen nicht zu ehren ist einfach nur unverständlich und unangemessen.

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4. Nightcrawler – Bester Film

Einfach gesagt ist Nightcrawler von Dan Gilroy einer der besten Filme des Jahres und diesen Film nicht in der Kategorie ‘Bester Film’ wiederzufinden muss ein großes Versehen gewesen sein. Dieser Thriller lässt jedem Zuschauer das Blut schneller durch die Adern fließen. Jake Gyllenhaal erreicht hier ein ganz neues Level der Schauspielerei. In Nightcrawler geht es um die Abgründe der Nachrichtenwelt, in der mehr Wert darauf gelegt wird, noch schockierendere Höhen zu erreichen, als ethisch-moralisch zu handeln. Gyllenhaal spielt Lou Bloom, einen mörderischen, getriebenen Unternehmer, der erfolgreich als “Nightcrawler” arbeitet. Nightcrawler sind die Journalisten, welche die nächtlichen Tragödien der Menschheit wie Unfälle und Morde filmen und dokumentieren. Mit Nightcrawler wird der amerikanische Traum kritisiert und wie weit manch einer gehen würde, um Erfolg und Anerkennung zu erreichen. Leider stand dieser großartige Film des Jahres 2014 nicht auf der Liste der Nominierten f��r den ‘Besten Film’.

3. David Oyelowo – Bester Hauptdarsteller (Selma)

Die diesjährigen Oscarnominierungen wurden stark kritisiert, auch weil die sie, was die Hautfarbe der Nominierten betrifft, die weißesten Oscars seit beinahe zwei Jahrzehnten waren und es ist schwer zu übersehen warum. Neben der größten Abfuhr, die wir auf Platz eins gesetzt haben, war es ein peinliches Versehen, den schwarzen Schauspieler David Oyelowo nicht für seine Leistung in Selma zu nominieren. 2014 war ein Jahr, in dem es in Amerika zu unangenehmen und unangemessenen Spannungen zwischen den Rassen kam. Unter diesem Gesichtspunkt einen der besten Schauspieler, unabhängig seiner Hautfarbe, nicht auszuzeichnen, ist absolut inakzeptabel. Oyelowo hat Martin Luther King Jr. grandios gespielt und hätte dafür seinen fairen Anteil an Lob und Anerkennung verdient.

(Photo by Jordan Strauss/Invision/AP)

2. Jake Gyllenhaal – Bester Hauptdarsteller (Nightcrawler)

Jake Gyllenhaal scheint zweifellos einer der besten Schauspieler seiner Generation zu sein. Dennoch wird er von der Akademie stets ignoriert, selbst wenn er seine bis dahin beste Leistung abliefert. Gyllenhaal macht sich den Film mit einer dominanten, verstörenden Darbietung zu eigen. Der gruselige, hart arbeitende Charakter Lou Bloom ist so verabscheuenswürdig sympathisch, dass er als einer der herausragendsten Charaktere 2014 in Erinnerung bleiben sollte. Das Gyllenhaal nicht nominiert wurde zeigt, wie sehr die Politik in die Nominierungen der Awardsaison mit einfließt. Es werden nicht grundlegend die besten Leistungen geehrt, wenn nicht die richtigen Leute dahinter stehen. Was auch immer hier der Fall gewesen sein mag, Gyllenhaal hat diese Verachtung für seine bisher beste Darbietung nicht verdient.

Photo by Broadimage/REX

1. Ava Duvernay – Beste Regie (Selma)

Der Affront der Akademie gegen Selma geht noch weiter. Dies ist eine der unerhörtesten und idiotischsten Abfuhren bei den Nominierungen diesen Jahres – die Regisseurin Ava Duvernay nicht in der Kategorie ‚Beste Regie’ aufzuführen. Dies ist nicht nur wegen der großartigen Leistung von Ava Duvernay unerhört, sondern auch, weil die Akademie es versäumt, eine weibliche Regisseurin zu ehren. In der Geschichte der Awards wurden bis heute nur vier Frauen überhaupt nominiert, von denen nur eine die Trophäe mit nach Hause nehmen konnte. Zu sagen, dass die Frauen bei den Oscars benachteiligt sind, ist eine große Untertreibung. Ein kleiner Lichtblick ist, dass die Arbeit von Duvernay durch die Nominierung in der Kategorie ‚Bester Film’ doch zum Teil geehrt wird, aber das ist nur ein kleiner Trost. Durch diese unterlassene Nominierung wurden die Vorurteile nur noch geschürt, dass die Akademie männliche, weiße Nominierte offensichtlich bevorzugt.

Photo by David Fisher/REX
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Mike McAninch

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